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Baufragen

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Interessante Fragen, welche von allgemeinem Interesse sind und unsere Antworten dazu finden Sie im folgenden:


29. Mai 2007

Schimmelbildung in Kellerräumen von Neubauten

Wir haben letztes Jahr eine Eigentumswohnung gekauft, nun haben wir bereits nach einem Jahr starke Schimmelbildung im Keller. An den Aussenwänden oben und an der Decke besonders im Bereich der Fenster ist es grau. Auch unsere eingelagerten Gegenstände (Kleider, Altpapier und Möbel) sind teilweise vom Schimmel befallen. Es ist noch zu sagen, dass wir nach unserer Meinung genügend lüften. Da der Keller ja nicht beheizt ist haben wir das Kellerfenster fast immer angekippt gehabt. Das ist doch ein Baumangel, der Bauleiter der Generalunternehmung bestreitet das, können Sie uns da vielleicht eine Antwort geben?

Besten Dank

Unsere Antwort / Meinung:

In Kellerräumen entstehen sehr oft Probleme mit hoher Feuchtigkeit, dies kann zur Folge haben, dass organische Materialien, wie Textilien, Leder, Papier etc., zu schimmeln beginnen und ein modriger Geruch entsteht. An anorganischen Bauteilen oder der Betonkonstruktion entsteht durch Ober- flächenkondensat oder hohe Luftfeuchtigkeit kein Schaden. Anders sieht es für andere Materialien aus, die oft in diesen Räumen untergebracht sind und eigentlich nicht dahin gehören. 

Bei einem Neubau wird in den ersten Jahren nach Fertigstellung dieser Effekt noch verstärkt, da die Raumluft durch die Restfeuchtigkeit in den Bauteilen zusätzlich befeuchtet wird.

Untenstehend sind die bauphysikalischen Zusammenhänge dargestellt, warum diese Probleme entstehen und wie damit umgegangen werden muss:

  1. Bei Kellerräumen handelt es sich in der Regel um unbeheizte Räume. Die Aussenbauteile bestehen normalerweise aus Beton und weisen keine Wärmedämmung auf. Demzufolge wird das Klima in Kellerräumen zu einem wesentlichen Teil durch das Aussenklima beeinflusst, das meistens eine höhere Luftfeuchtigkeit als 50 % aufweist. Dieses liegt während der Winterperiode im Mittel bei +2°C mit einer relativen Luftfeuchtigkeit von ca. 80 %. In einem Kellerraum stellt sich dabei eine Innentemperatur von ca. 10°-18°C ein, jenachdem wie dieser an den beheizten Gebäudeteil angebunden ist. Das Verhältnis der Innenbauteile und die Nähe zu einem Heizraum spielen ebenfalls eine Rolle. Dabei gilt, je niedriger die Raumtemperatur im Keller liegt, desto höher ist die Luftfeuchtigkeit.

  2. Im Sommer ist ein Aussenklima von im Mittel 15°C / 75 % rel. Luftfeuchtigkeit zu erwarten. Die Aussentemperatur kann aber auch auf 30°C steigen. Die Aussenluft von beispielweise 30°C besitzt eine Luftfeuchtigkeit von 60 % und einen Feuchtegehalt von ca. 18 gr. Wasser pro m³ Luft. Wenn sich diese Luft abkühlt, z.B. durch niedrigere Temperaturen in einem Kellerraum, wird bereits bei 21°C der Taupunkt erreicht und die Feuchtigkeit wird als Kondensat ausgeschieden. Ein schneller Temperatur- anstieg im Sommer oder eine Hitzeperiode im sind besonders kritisch. Es ist wird darum empfohlen, die Kellerfenster bei hohen Aussentemperaturen geschlossen zu halten.

  3. Wenn über längere Zeit eine Luftfeuchtigkeit von 80 % vorliegt, ist hier ein idealer Nährboden für Schimmel gegeben. Bauphysikalisch ist die Lagerung von feuchtigkeitsempfindlichen Stoffen, wie Textilien, Leder, Papier oder Holzwerkstoffen, in unbeheizten Kellerräumen problematisch. Diese Materialien sind nicht steril. Auch Holz- oder Textilschränke bieten dabei keinen Feuchteschutz. Wenn feuchtigkeitsempfindliche Stoffe in unbeheizten Räumen gelagert werden sollen, müssen sie luftdicht abgeschlossen werden. Kleidungsstücke sollten z.B. in Plastiksäcken verpackt werden und eine regelmässige Kontrolle wird empfohlen.

  4. Das Raumklima in Kellerräumen kann beschränkt durch geeignetes Lüften beeinflusst werden. Das heisst, in der Winterzeit viel lüften und im Frühling, Sommer und Herbst nur kurz lüften. Eine darüber hinausgehende Beeinflussung des Klimas ist nur durch künstliche Massnahmen, wie entfeuchten, möglich. Wenn entfeuchtet wird, sollen Luftentfeuchter mit Hygrostatsteuerung verwendet werden. Dabei soll eine Luftfeuchtigkeit von ca. 50-55 % angestrebt werden. Die Fenster müssen stets geschlossen bleiben, solange entfeuchtet wird. Um eigentliche Baumängel handelt es sich bei solchen Problemen in der Regel (in mehr als 80% der Fälle) nicht. Für genauere Abklärungen über die Ursache kann auch ein Bauphysiker beigezogen werden, die Kosten dafür muss in der Regel der Auftraggeber, Eigentümer tragen, resp. vorschiessen.

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